Die Geflüchteten und deren Unterstützer

IM NOVEMBER, AUF DEM ORANIENPLATZ IN KREUZBERG

 

Das HAUS DER 28 TÜREN steht nun, im November des Jahres 2014, auf dem Oranienplatz in Kreuzberg, als Treffpunkt, Veranstaltungsort und Zentrum der selbstorganisierten Flüchtlingsbewegung, die bereits seit zwei Jahren Berlin in Atem hält.

Im August wurde das Haus auf dem Tempelhofer Feld von Geflüchteten und Unterstützer_innen  ab- und in Kreuzberg wieder aufgebaut. Es ersetzt das große Zirkuszelt, das bei der Räumung des selbstverwalteten Camps auf dem Oranienplatz durch den Berliner Senat vor einem halben Jahr abgebaut werden musste. Wie zuvor das Versammlungszelt dient es als Zentrum und Symbol des Protestes der Geflüchteten, seine Struktur und Dimension ist ähnlich der des Zeltes: rund, offen nach allen Seiten und mit zentraler, das Dach tragender Stütze. Je nach Anlass können die Außenwände, also die Türen, geöffnet oder geschlossen werden. Im Moment wird mit solidarischer Unterstützung ein neues Dach vorbereitet, da das aufblasbare Dach für den Oranienplatz nicht geeignet ist.


Foto: R. Sokol
Foto: R. Sokol


Seitdem die selbstorganisierte Bewegung der Geflüchteten im Frühjahr 2012 in Bayern begann und mit einem Fußmarsch von Würzburg aus im Oktober des Jahres Berlin erreichte – immer unter Brechung der Residenzpflicht! - hat sie bereits jetzt Geschichte geschrieben.

Als sie Berlin erreichten besetzten die Geflüchteten mit diversen Zelten den Oranienplatz und eine ehemalige leer stehende Schule, anfangs toleriert und zum Teil unterstützt durch die Kreuzberger Bezirksregierung. Bis vor einem halben Jahr existierte das Camp mit zeitweise weit über hundert Bewohner_innen.

Später begannen Versuche des Bezirks und des Berliner Senats verschiedene Gruppen der Geflüchteten gegeneinander auszuspielen, um das Camp zu beseitigen.

Im Frühjahr folgte nach Verhandlungen zwischen Geflüchteten und Senat die letztlich gewaltsame Räumung des Flüchtlingscamps durch die Berliner Regierung. Nur ein Teil der Geflüchteten ließ sich unter Druck auf windige, später wieder gebrochene Versprechungen des Senats ein.

Mehrere hundert Bewohner_innen der Schule wurden im Sommer zum Auszug genötigt. Nur eine kleine Zahl der Geflüchteten erkämpfte sich unter massiver neuntägiger Belagerung das Recht in der Schule zu bleiben und ein selbstverwaltetes internationales Flüchtlingszentrum aufzubauen. Diese schriftliche Zusage wurde vom Bezirk kürzlich zurück genommen, zur Stunde werden die Geflüchteten in der Schule von einem Räumungsultimatum bedroht.

 

Die Bedingungen der Flüchtlingsbewegung und ihre Situation ändern sich ständig, manchmal täglich, der Oranienplatz bleibt als Kontinuum weiter Ort und Zentrum des täglichen Protestes  der Geflüchteten. Die Forderungen nach dem Recht auf Aufenthalt, dem Stopp aller Abschiebungen, dem Recht der Bewegungsfreiheit, der Abschaffung der Residenzpflicht, dem Recht auf Arbeit und Ausbildung, der Abschaffung aller Lager, der freien Wahl des Wohnortes und dem Stopp aller Diskriminierungen bleiben!