Stefan Fischer-Fels

OFFEN UND SOLIDARISCH

 

Das Haus der 28 Türen zeigt uns als Begegnungsstätte von Geflüchteten, Aktivisten, Künstlern und Berliner Bürger_innen exemplarisch, dass wir Kulturschaffende nicht „engagierte“ Kunst schaffen können und gleichzeitig wegschauen, wenn sich vor unseren Augen ein Drama abspielt.

 

Seit Juni 2014 arbeitet auch das Berliner GRIPS Theater mit einer immer größer werdenden Gruppe von Refugees. Und nicht nur wir Kulturschaffende aus dem Theater müssen jetzt Stellung beziehen! Wir sind dabei, um den Refugees vom Kreuzberger Oranienplatz und den Bewohnern der Gerhart-Hauptmann-Schule Stimme und Gehör zu verleihen. Wir haben Kompetenzen, gute Ideen und viel Energie erlebt, haben unter ihnen Leute kennengelernt, die ein Social Center aufbauen wollen, Theaterprojekte realisieren, Musik und Journale machen, Werkstätten einrichten und einen „international women space“ als Treffpunkt planen. Wir wollen mithelfen, diese großartigen Initiativen in die Tat umzusetzen.


Performance des Impulse–Refugee Clubs Berlin im Studio 1 des Kunstquartier Bethanien, Berlin (24.07.2014)
Performance des Impulse–Refugee Clubs Berlin im Studio 1 des Kunstquartier Bethanien, Berlin (24.07.2014)


Wir schlagen einen Perspektivwechsel vor: Wir sehen in den Refugees Zeitzeugen in einer zentralen gesellschaftlichen Frage. Das Schicksal der Betroffenen in der Ohlauer Straße ist mehr als ein Einzelfall. Wir sehen Menschen, die uns durch ihr Leben und ihren Kampf etwas zu sagen haben  - über unmenschliche Zustände in ihren Heimatländern (für die die deutsche Politik und Konsumkultur Mitverantwortung trägt) und über eine komplett gescheiterte Asylpolitik in Deutschland und Europa. Diese Menschen verdienen unseren Respekt und unsere Hochachtung, sie haben sich bis nach Berlin gekämpft, sie haben auf dem Oranienplatz ausgeharrt, sie haben sich die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule als ihren Ort erkämpft, sie haben angefangen, ihren Traum von einem ersten selbstverwalteten Refugee-Cultural-Social-Center in die Tat umzusetzen, unter schwierigsten sozialen und ökonomischen Umständen, noch ohne Geld und Unterstützung.

 

Wir möchten alle Beteiligten anregen, dass Gespräch über die Zukunft der Gerhart-Hauptmann-Schule und der derzeitigen Bewohner weiterzuführen. Kulturinstitute sind bereit zu vermitteln und mitzuarbeiten an Lösungen, bei denen alle Seiten ihr Gesicht wahren. Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten an Lösungen interessiert sind. Wir weisen darauf hin, dass es aus unserer Sicht keine friedliche Lösung geben wird ohne Perspektiven für die Refugees, d.h. ohne Berücksichtigung der Wünsche und Vorstellungen der Bewohner. Egal wie es weitergeht, wir werden weiter mit den Refugees an der Idee eines selbstverwalteten Cultural Center arbeiten. Wir sind überzeugt davon, dass es sich dabei um ein Modell handeln könnte, das europaweit ausstrahlt und von einem anderen, humanen Umgang mit Flüchtlingen erzählt. Zur weiteren Unterstützung planen wir eine Solidaritäts-Kampagne unter dem Arbeitstitel „My right is your right“, zu dem das Ballhaus Naunynstrasse am 24. November 2014 einladen wird und zu der wir auf breiter Basis die Berliner Stadtgesellschaft einladen.

 

Die Politik und die Medien werden uns Naivität vorwerfen. Aber wir kämpfen für eine gewaltfreie, konstruktive und zukunftsweisende Lösung und gewinnen dabei immer mehr Kulturmacher und Unterstützer. Das Thema wird uns als Theater und als Gesellschaft in den nächsten Jahren massiv beschäftigen! Wir setzen ein Zeichen und werden weiter daran arbeiten, dass es Perspektiven und Unterstützung für die Refugees gibt.

 

Wir, das sind das Maxim Gorki Theater, das Theater an der Parkaue, das Ballhaus Naunynstrasse, das Jugendtheaterbüro Moabit, das GRIPS Theater, Asyl in der Kirche e.V., Akademie der Autodidakten, Bündnis gegen Rassismus, Gladt e.V., Lesbenberatung/LesMigraS, Migrationsrat Berlin-Brandenburg e.V., ReachOut Berlin u.v.a.