KEINE WELT OHNE MIGRATION

 

Mein Name ist Tresor und ich komme aus Kamerun, aber ich bezeichne mich lieber als Weltbürger. Ich habe zehn Jahre auf verschiedenen Migrationsrouten verbracht, bevor ich in Europa angekommen bin. Dazu habe ich Wüsten und verschiedene Grenzen durchquert, habe den Grenzbefestigungen von Melilla mehrmals widerstanden und mehrere Fluchtversuche über das Mittelmeer unternommen. All das ohne die Folter, die Prügel etc., die unterschiedlichen Formen der Repression zu vergessen, vor allem die in Marokko, das bis heute stillschweigend Menschen zu Opfern macht.

Ich hatte nicht die Möglichkeit lange Universitätsstudien zu betreiben wie viele andere, vielmehr konnte ich das „Diplom des Lebens“ erwerben. Darauf  bin ich stolz. In den 10 Jahren der Migration, um schließlich in Europa anzukommen, musste ich etliche Hindernisse überwinden, bin traumatisiert worden und habe viele Freunde und Bekannte verloren. Andere leiden immer noch. So hat mir meine eigene Migration alle notwendigen Erfahrungen eingebracht, um mich zum Thema Migration engagieren zu können.

Thomas Sankara hat gesagt, ich zitiere: “Ein Kämpfer ohne politische Bildung ist ein potentieller Verbrecher gegen sein eigenes System“. Heute bin ich ein Aktivist und ein Kämpfer für die Rechte der Migranten und Flüchtlinge. Ich habe einen Blog und eine Seite auf Facebook ins Leben gerufen, voix des migrants, eine Initiative von Migranten für Migranten, mit folgenden Zielen:

 

- Vernetzung der verschiedenen Akteure der Migration: Abgeschobene Migranten, diejenigen, die um Asyl bitten, Migranten, die noch unterwegs sind und diejenigen die darüber nachdenken, sich auf den Weg zu machen.

 

- Synergien schaffen unter Migranten durch freie Diskussionen und den Erfahrungsaustausch zur Süd – Nord Migration.

 

- Informationsveranstaltungen organisieren, um den Bürgern Europas dabei zu helfen, die  Motive und die Konsequenzen der Europäischen Migrationspolitik zu verstehen.

 

- Für die Rechte der Migranten kämpfen: Das Recht sich frei zu bewegen und zu integrieren, die Öffnung der Grenzen, gerechte Entwicklung, gleiche Rechte für alle.

 

- Organisation von Unterstützung für Migranten und Migrantinnen, die sich an den Außengrenzen der EU in prekären Situationen befinden, vor allem diejenigen in den marokkanischen Wäldern.

 

Vom Zeitpunkt seiner Gründung an bis heute hat sich „voix des migrants“  mit vielen transnational kämpfenden Gruppen und Organisationen verbunden. Wir haben an dem “Marche de la Liberté, Strasbourg – Bruxelles” und an der Fahrradtour „No jail for refugees“ von Bad Belzig nach Berlin mit Besuchen in verschiedenen Lagern teilgenommen. Wir organisieren Präsentationen und Sensibilisierungen in Universitäten etc. und sind offen für alle, die uns zuhören möchten.

 

Im Angedenken an meine Freunde, die auf der Flucht verschollen sind:

Kehki Yanga bébé, Mbindi Zaché, Manogla Koksson, Michel, Zagalo und Adélaïde.